Babyhasen

Diese Entwicklungsetappe unterteilen wir in:
— Aufzucht der Jungtiere von der Geburt bis zum Absetzen,
— Aufzucht der Babyhasen vom Absetzen bis zur Reife.
In den ersten Lebenswochen sind die Hasenbabys auf die Ernährung mit Milch angewiesen. Die Milchleistung der Häsin ist genetisch veranlagt, kann aber durch gute Umweltfaktoren, insbesondere durch richtige Futterzusammensetzung positiv beeinflußt werden. Die Ernährung der Häsin muß daher bereits während der Trächtigkeit so erfolgen, daß das Muttertier zu einer hohen Milchleistung befähigt wird, von der die Entwicklung der Jungtiere im entscheidenden Maße abhängt.
In den ersten Lebenstagen saugen Hasenbabys 6- bis 8mal täglich. Ein zuverlässiges Merkmal für gute Milchproduktion der Häsin ist schnelle körperliche Entwicklung der Jungtiere. Gut mit Milch versorgte Jungtiere verdoppeln innerhalb von 5 bis 6 Tagen ihre Lebendmasse. Im Alter von 30 Tagen soll ihre Lebendmasse 9- bis 11 mal größer sein als bei der Geburt. Ein weiteres Merkmal der Entwicklung von Hasenbabys ist, dass sie bis zum Alter von 18 bis 20 Tagen nicht das Nest verlassen. Sie sind nicht vorzeitig gezwungen, Ersatznahrung zu suchen.
Bei der traditionellen Aufzucht bleiben die Jungtiere mindestens 42 Tage, d. h. sechs Wochen bei der Häsin. Maximal sollten sie 8 bis 10 Wochen bei der Mutter bleiben. Sobald die Jungtiere aus dem Nest kommen, nehmen sie nicht nur die Milch der Mutter auf, sondern beginnen am Futter zu knabbern. Von diesem Zeitpunkt an erhalten die Jungtiere Beifutter.
Im Alter von 42 bis 56 Tagen tritt in der Entwicklung der Jungtiere eine Krise ein (die sogenannte Streßperiode), in der es zu zahlreichen Ausfällen kommt. Das hat mehrere Gründe. Bei den jungen Kaninchen erfolgt der erste Haarwechsel, und es kommt zum Austausch der Milchzähne. Die Jungen wachsen intensiv und werden vom vorgelegten Futter immer mehr abhängig, weil die Menge der Muttermilch nicht mehr ausreicht. Diese Veränderungen sind oft von Verdauungsstörungen und einer verringerten Widerstandsfähigkeit begleitet. Für die jungen Kaninchen ist es daher vorteilhaft, wenn sie sich in dieser Streßperiode noch bei der Mutter befinden.
Unter den Bedingungen in der CS SR ist es zweckmäßig, die Jungtiere am besten im Alter von 7 Wochen abzusetzen. Späteres Absetzen kam
Aufzucht der Jungkaninchen

für die Entwicklung der Jungtiere vorteilhaft sein, aber die Häsin wird durch zu langes Säugen unnötig erschöpft und braucht hinterher längere Zeit, um den erforderlichen Ernährungszustand wieder zu erreichen. Dadurch wird ihre weitere Verwendung in der Zucht hinausgeschoben. Das eigentliche Absetzen der jungen Kaninchen wird in der CSSR unterschiedlich praktiziert. In den meisten Fällen werden die Jungtiere auf einmal abgesetzt und dann in Gruppen aufgezogen. Einige Züchter setzen zuerst die schwächeren Tiere ab und geben sie zur Mast. Die übrigen, gut entwickelten Jungtiere lassen sie ungefähr noch eine Woche bei der Mutter, um sie dann auch abzusetzen. Andere Züchter organisieren das Absetzen der Jungtiere umgekehrt; sie setzen zuerst die gut entwickelten und dann die schwächeren Tiere ab, die nach einigen Tagen den Unterschied in der Entwicklung ausgeglichen oder etwas verringert haben, so daß dann der gesamte Wurf ausgeglichen ist. Diese zweite Art bewährte sich vor allem in Zuchten für die Schlachtproduktion. Das Absetzen der Jungtiere in Etappen ist vom physiologischen Gesichtspunkt für die Häsin günstig, weil dadurch die Laktation allmählich beendet wird. In der Sowjetunion werden die jungen Kaninchen, die zur Mast vorgesehen sind, gewöhnlich im Alter von 42 bis 45 Tagen nach der Geburt abgesetzt. Gleichzeitig werden die Häsinnen wieder zugelassen.
In einigen Betrieben im Ausland, die sich mit der Produktion von Schlachtkaninchen befassen, wird das sogenannte Frühabsetzen der Jungkaninchen angewandt. So werden in Italien die Jungtiere meistens schon im Alter von 25 bis 30 Tagen abgesetzt, die Häsin wird am 25. Tag nach dem Werfen wieder gedeckt. Man ist bestrebt, die Aufzuchtzeit der Jungtiere bei der Häsin auf 19 Tage zu verkürzen, wobei die Häsin 6 Tage nach dem Werfen bereits wieder gedeckt wird. Das zeitige Absetzen der Jungtiere erfordert eine gehaltvollere Fütterung und die Verwendung von Spezialfuttergemengen.

Für die Rassekaninchenzucht, bei der man Jungtiere für die Zucht und auch für Ausstellungszwecke aufzieht, scheint es günstiger zu sein, die Jungtiere im Alter von 56 bis 60 Tagen abzusetzen und die Häsin 7 bis 10 Tage vor dem Absetzen der Jungen decken zu lassen. Die einzelner. Methoden des Absetzens machen es erforderlich, das Zuchtjahr in Zyklen einzuteilen (siehe Tabelle 3).
Die zweite Periode in der Entwicklung der Jungkaninchen ist die Aufzucht vom Absetzen bis zur Reife. Es ist hierbei zu unterscheiden, ob es sich um Tiere handelt, die für die weitere Zucht oder für die Mast bestimmt sind. Nach dem Absetzen werden die Jungkaninchen in der Regel in Gruppen so aufgestallt, daß der zur Verfügung stehende Raum maximal ausgenutzt wird. In der züchterischen Praxis kommt es vor, daß die Würfe bis zum Alter von drei Monaten ohne Unterschied des Geschlechts zusammenbleiben. Im Alter von drei Monaten erfolgt die Trennung nach dem Geschlecht. Zuchttiere gleichen Geschlechts können in Gruppen zu vier bis acht Stück gehalten werden. Durch die Einteilung in Gruppen nach dem Geschlecht verhindern wir eine vorzeitige Befruchtung der körperlich noch nicht genügend entwickelten Häsinnen, be i denen die Trächtigkeit eine Verlangsamung der Entwicklung bedeuten würde.
Bei den Zuchtkaninchen führen wir in dieser Aufzuchtperiode die Selektion durch. Im Alter von vier Monaten büden wir kleine Zuchtgruppen mit zwei bis vier Tieren, die in ihrer Entwicklung ausgeglichen sind. Aus diesen Gruppen nehmen wir die unverträglichen und aggressiven Tiere heraus. Im Alter von fünf Monaten bereiten wir für die Zuchttiere die individuelle Aufstallung vor allem dort vor, wo es sich um die Aufzucht von Tieren für Ausstellungszwecke oder für die Weiterzucht handelt. Zuchttiere werden solange individuell gehalten, wie sie für die Zucht verwendet werden können.
Die für Schlachtzwecke vorgesehenen Kaninchen können in der Pe riode nach dem Absetzen mit unterschiedlicher Intensität gemästet werden. Bei der sogenannten Broilermast (intensive Mast) werden die Jungtiere in Gruppen zu vier bis acht Stück ohne Rücksicht auf das Geschlecht untergebracht. Im Alter von 90 bis 100 Tagen (bei einer Lebendmasse von 2,8 bis 3 kg) werden sie geschlachtet.
Einige Autoren empfehlen, die Kaninchen nach dem Absetzen zwar getrennt aufzustallen, aber in unmittelbarer Nähe der Mutter. Anden: vertreten wieder die Auffassung, daß die Jungkaninchen nach dem Absetzen dort bleiben sollen, wo sie geboren wurden, und daß die Mutter umgesetzt werden müßte. Sie unterstreichen vor allem die Geruchsgewöhnung an die Umwelt, die auch die Entwicklung in der Krisenperiode nach dem Absetzen beeinflußt. In den herkömmlichen Kaninchenställen der Kleintierhaltung sind diese Einwände berechtigt. Die Käfighaltung schafft aber etwas andere Bedingungen, und die Geruchseffekte spielen nicht mehr eine so entscheidende Rolle. Das ist unter anderem auch daraus ersichtlich, daß zum Beispiel das Unterschieben der Jungtiere bei fremden Häsinnen nicht mehr mit solchen Schwierigkeiten verbunden ist wie bei der traditionellen Aufstallung.
Erwähnenswert ist auch eine Methode, die in den italienischen Farmen angewandt wird. Hier beginnt oft sofort nach dem Absetzen die Broilermast. Es werden Kleinkäfige für zwei Jungkaninchen verwendet. Dadurch wird die Bewegung der Tiere wesendich beschränkt. Bemerkenswert bei dieser Aufzucht ist die intensive Entwicklung; ein Nachteil sind die erhöhten Kosten für die technologische Ausrüstung dieser Anlage und das gesamte Zubehör. Versuche haben gezeigt, daß es nicht angebracht ist, eine intensive Mast der Jungkaninchen in Ausläufen durchzuführen. Ein großer Auslauf ermöglicht den jungen Kaninchen größere Bewegung, er erhöht daher den Futterverbrauch und führt zu einer Reduzierung der Zunahmen.
In den kleinen Zuchten, wo die Kaninchen allmählich gemästet werden, werden die Jungtiere nach dem Absetzen meistens in Gruppen zu 5 bis 15 Tieren in Kaninchenställen oder in Mastgehegen gehalten. In großen Zuchtbetrieben ist es vorteilhaft, von den abgesetzten Jungkaninchen zuerst Gruppen zusammenzustellen, die ungefähr 10 bis 25 Tiere umfassen. In einer Gruppe sollen möglichst gleichaltrige Jungkaninchen mit gleicher Entwicklung untergebracht werden. Ansonsten besteht die Gefahr, daß die stärkeren Tiere die schwächeren verdrängen und somit ihre Entwicklung beeinträchtigen. Der Raum, in dem die jungen Kaninchen nach dem Absetzen untergebracht werden, soll nicht groß sein, denn übermäßige Bewegung in früher Jugend nützt ihnen nicht. Jungkaninchen großer Rassen mit späterer Entwicklung braucht man nach dem Absetzen bis zum Alter von vier Monaten nicht nach dem Geschlecht getrennt zu halten. Diese Trennung nach Geschlecht muß aber zu Beginn des fünften Lebensmonats erfolgen. Viele Kaninchenhalter kastrieren zu diesem Zeitpunkt die Rammler.
Die erfolgreiche Aufzucht der Jungkaninchen ist stets eine gute Visitenkarte für den Züchter, denn niedrige Jungtierverluste steigern das Ergebnis seiner Arbeit. Am wertvollsten sind hier vor allem die eigenen Erfahrungen, die Sehr unterschiedlich sein können.

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